Ohrakupunktur

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Stand: 15.11.2010

Die Ohrakupunktur (auch Auriculotherapie oder -medizin),
eine Akupunktur des Ohres, soll helfen können Schmerzen
zu lindern und Krankheiten ohne Medikamente zu heilen.

Sie ist ein Konzept der Diagnose und Therapie des französischen
Arztes Paul Nogier. Im Jahre 1956 stellte er seine Erkenntnisse
erstmals auf einem Akupunktur-Kongress in Frankreich vor.
1957 erschien dieser Vortrag in der "Deutschen Zeitschrift
für Akupunktur" und erreichte auch China. Dort wurde ebenfalls
weiter geforscht, so dass von einer französischen und einer
chinesischen Schule gesprochen werden kann.

In China wurden erstmals im Huangdi Neijing (im 1. Jahrhundert
v. Chr.) rund 20 Akupunkturpunkte auf der Ohrmuschel erwähnt.
In Persien und im alten Ägypten wurden einzelne Punkte der
Ohrakupuntur genutzt und auch Hippokrates kannte einzelne-
Reaktionspunkte auf der Ohrmuschel. Nogiers hat als erster
die Projektion des Homunculus und eine Systematik der
Ohrmuschel veröffentlicht worden.

Ähnliche Projektionen des Homunkulus bzw. von Funktionen auf
begrenztem Areal der Körperoberfläche wurden in den letzten
50 Jahren vorgeschlagen. So zum Beispiel die chinesische
Schädelakupunktur, die Neue Schädelakupunktur nach Yamamoto
YNSA), die Chinesische Nasenakupunktur, die Mundakupunktur
nach Gledtisch, die chinesische und koreanische Handakupunktur.
Diese Akupunktursysteme werden unter den Oberbegriffen
"Mikrosystem-Akupunkturen" oder "MikoAkuPunkturSysteme"
(MAPS) zusammengefasst.

Die Ohrakupunktur zählt zu den regulationstherapeutischen
Verfahren. Diese gehen von einem sich selbst regulierenden
Organismus aus, der all seine Körperfunktionen auf die Norm
reguliert, Störungen kompensiert und Heilungsprozesse initiiert
und unterhält. Funktionelle Störungen und Schmerzen sollen sich
in Reaktionspunkten auf die Körperoberfläche projizieren.
Die Reizung dieser Punkte soll mehr oder weniger gezielt
die Autoregulation stimulieren, um diese Dysfunktion zu
normalisieren oder kompensieren.

Die Wirkmechanismen der Ohrakupunktur sind nicht geklärt.
Diskutiert werden segemtale Verschaltungen und Modulationen
auf verschiedenen Ebenen des Zentralnervensystems - Rücken-
mark, Stammhirn, Hypophyse, Hypothalamus, Zerebrum. Des
Weiteren werden die Ausschüttung von Neurotransmittern und
die neuronale Plastizität diskutiert. Innerviert wird das
Ohr von drei Nerven:

    * Nervus auricularis magnus (Plexus cervicalis)
    * Nervus auricularis nervi vagus
    * Nervus auriculotemporalis (N. trigeminus)

Durch die Ohrakupunktur können angeblich fast alle akuten
und chronischen Erkrankungen ohne Nebenwirkungen gezielt
und sofort wirksam behandelt werden. Die tatsächliche
Wirksamkeit ist jedoch nicht bewiesen worden. Befürworter
sehen folgende Möglichkeiten und Vorteile:

    * Sie sei durch direkte Zugriffsmöglichkeit und schnelle,
      präzise Wirkungen besonders für die Notfallmedizin
      geeignet.
    * Sie sei eine äußerst wirksame Schmerztherapie. Akute
      und funktionelle Schmerzen, welcher Art und wo sie
      auch sind, können beeinflusst, gelindert und häufig
      ausgeschaltet werden.
    * Sie wirke ausgleichend und regulierend. Störungen des
      zentralen Nervensystems (Furcht, Platzangst, Besessenheit,
      Parkinson (vgl. jedoch [1]), Konzentrationsmängel,
      Schwindel, Stottern usw.) werden nachhaltig beeinflusst.
    * Sie sei von ausgleichender, entspannender und anregender
      Wirkung und daher zur konstitutionellen Behandlung von
      alten Menschen geeignet.
    * Sie sei eine Basistherapie zur Suchtbehandlung (Alkohol-,
      Drogen- oder Medikamentenabhängigkeit, Raucher-
      entwöhnung oder Regulierung des Essverhaltens)
    * Sie werde auch mit Erfolg in der Veterinärmedizin
      angewendet.

Auch beim NADA-Protokoll werden Nadeln in das Ohr gestochen.
Diese Therapie hat jedoch keine gemeinsame Basis mit der
Ohrakupunktur.

Eine weitere Form der Ohrakupunktur ist die Neuroaurikulo-
therapie (NAT) nach Viertel. Sie ist eine Synthese aus Neuro-
wissenschaft und Aurikulomedizin. Sie verbindet das Erfahr-
ungswissen der Repräsentationen in der Ohrmuschel mit den
modernen Erkenntnissen der wissenschaftlichen Bio- und
Neuropsychologie. Eingesetzt wird die NAT zur Behandlung
psychischer Störungen.

 

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